Datum & Uhrzeit

Datum
Samstag, 24. Oktober 2026
Beginn 19:30
Kasse 18:30

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IIRO RANTALA „Trinity“

Iiro und seine Mitstreiter haben sich einen außergewöhnlichen Ort für die Produktion ihres Albums „Trinity“ gesucht, denn das Château Palmer gilt zwar als eines der ersten Weingüter im Bordelais, aber in der Jazz-Welt spielt es eher eine marginale Rolle.
Für dieses Album  entschieden sich die drei Musiker:innen erstmals für bekannte Klassiker, die sie möglichst „pur“, also ohne überkomplexe Arrangements und ohne unnötiges Reharmonisieren neuinterpretieren wollten. So werden im Sendesaal neben bekannten Broadway-Melodien auch zwei Chansons der großen Edith Piaf erklingen.

 

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Iiro Rantala – Piano
Morten Lund – Schlagzeug
Kaisa Mäensivu – Kontrabass

2+2=3: Eine musikalische Assemblage im Château Palmer

Der Gedanke ist schelmisch, aber wenn sich ein Trio von Musikern dieses Kalibers verschwört, um etwas Außergewöhnliches zu schaffen, werden Regeln ohnehin gebrochen. Iiro Rantala und Morten Lund kennen sich, seit der Pianist 2012 zur ACT-Familie stieß. Damals bat Iiro den dänischen Schlagzeuger, mit ihm „My History of Jazz“ aufzunehmen.

„Seitdem bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass Morten in Europa der Beste darin ist, einen Walking Bass zu begleiten. Der Grund ist simpel: Er ist tief in der illustren Jazztradition Kopenhagens verwurzelt. Er hat mit Musikern gearbeitet, die mit Dexter Gordon, Stan Getz oder Ben Webster spielten… er hat diese ganze Geschichte geerbt.“

Die Kontrabassistin des Albums, Kaisa Mäensivu, traf Iiro während der Pandemie bei einer Jam-Session in Helsinki. Obwohl sie in New York lebt, engagierte Rantala sie jüngst für ein Konzert zum finnischen Unabhängigkeitstag beim Präsidenten in Mäntyniemi (Dezember 2024). „Morten, Kaisa und ich hatten vor dem Gig im Château Palmer noch nie zusammen gespielt“, erklärt der Pianist. „Normalerweise probt man, spielt Konzerte oder eine Tour, bevor man aufnimmt. Diesmal nicht.“


Die DNA der „Edition Palmer Collection“

Dieser Wunsch, die Frische des ersten Mals einzufangen, ist Kern der Edition Palmer Collection – einer Initiative von Thomas Duroux (Château Palmer) und Andreas Brandis (ACT). „Trinity“ ist das dritte Album der Serie. Das Konzept: Jeder „Jahrgang“ (Millésime) soll absolut einzigartig sein, ähnlich wie die variierenden Anteile von Merlot und Cabernet Sauvignon in den Weinen des Châteaus.

Die Rückkehr zu den Wurzeln

Für dieses Trio entschied sich Iiro erstmals für ein reines Standard-Repertoire. Er vergleicht es mit einem klassischen Musiker, der sich irgendwann den Toccaten Bachs oder den Sonaten Mozarts stellen muss.

  • Kein „Derangement“: Iiro wollte die Stücke nicht durch komplexe Arrangements verfremden.

  • Purismus: Kein unnötiges Reharmonisieren, kein Verwandeln eines Walzers in einen 5/4-Takt.

  • Ehrlichkeit: Er wählte bekannte Klassiker, um seine eigene Handschrift (seinen „Touch“) so klar wie möglich hörbar zu machen – so wie ein großer Wein die Wahrheit seines „Terroirs“ offenbart.

Neben Broadway-Klassikern schmuggelte Rantala zwei französische Referenzen ein: Edith Piafs „Hymne à l’amour“ und das Wiegenlied „Fais Dodo“. Letzteres nahmen Iiro und Kaisa als Duo auf, während die Bassistin hochschwanger war – ein Schlaflied, das gleichzeitig eine „Verkündigung“ in sich trug.


Aufnahme unter freiem Himmel

Die Atmosphäre der Session war geprägt von Empathie und direktem Austausch. Alle drei Musiker spielten im selben Raum, einem Salon im Erdgeschoss des Schâteaus.

  • Natur pur: Durch die Flügeltüren sahen sie den Himmel und die Bäume, was die Improvisationen direkt beeinflusste.

  • Biodynamik des Klangs: Toningenieur Arnaud Houpert verzichtete auf Kabinen; lediglich ein transparenter Schirm trennte die Instrumente, um den natürlichen, gemeinsamen Klangcharakter zu bewahren.

  • Intuition: Kein Stück brauchte mehr als drei Takes. Bei vier Songs war sogar der allererste Take derjenige, der auf dem Album landete.

Ein Spielplatz der Freiheit

Während Morten Lund die Energie eines „tanninhaltigen Gewürzes“ in Stücke wie The Days of Wine and Roses bringt, genießt Kaisa die Freiheit der Standards: „Normalerweise spiele ich komplexe, schwierige Musik. Hier passt plötzlich alles auf eine Seite… es wird zu einem echten Spielplatz.“

Iiro, Kaisa und Morten ist es gelungen, diese Songs atmen und singen zu lassen. Diese musikalische Trilogie sollte man wie einen edlen Wein genießen: langsam, Schluck für Schluck. Es sind Lieder, die nicht nur die Zeit überdauert haben, sondern denen etwas absolut Zeitloses innewohnt.